Foto einer Biogasanlage von Reverion

Reverion: Der Schlüssel zu nachhaltiger Biogasverwertung

Saubere Energie, maximale Effizienz – Reverion nutzt Biogas smarter als je zuvor. Das Start-up wurde 2022 als Spin-off der TU München gegründet. Das fünfköpfige Gründerteam entwickelte eine All-in-One-Lösung, die Strom mit einem Wirkungsgrad von 80 % erzeugt und sogar die Speicherung überschüssiger erneuerbarer Energie ermöglicht. Damit wird die Effizienz von Biogasanlagen verdoppelt und gleichzeitig CO₂ eingespart. 2024 sicherte sich das Start-up mit dieser Lösung eine beachtliche Series-A-Finanzierung von 56 Millionen Euro. Wir haben mit Mitbegründer Dr.-Ing. Stephan Herrmann gesprochen und einen Blick hinter die Kulissen des Unternehmens geworfen.

Lieber Stephan, ihr habt Reverion 2022 gegründet – also genau in der Phase, in der die Debatte über die Energieversorgung in Deutschland richtig Fahrt aufgenommen hat. Hat das eure Gründung beeinflusst?

Ja und Nein. Unsere Motivation hat es nicht beeinflusst, da wir schon lange vor 2022 an der Technologie gearbeitet haben. Aber natürlich hatte die damalige Energiekrise Auswirkungen auf unsere Gründung – insbesondere auf die Partnersuche und Kundengewinnung. Gerade in dieser Zeit wurde deutlich, wie dringend eine zuverlässige und unabhängige Energieversorgung gebraucht wird – und genau hier setzt unsere Technologie an.

„Der entscheidende Moment, um zu gründen, kam, als wir eine technologische Lücke erkannt haben."

Du hast dich bereits während deiner Zeit an der Universität intensiv mit den Potenzialen von Biogas-Kraftwerken beschäftigt. Was hat dich dazu bewegt, in diesem Bereich zu gründen?

Der entscheidende Moment, um zu gründen, kam, als wir eine technologische Lücke erkannt haben: Die Herausforderung, ein erneuerbares Energiesystem zu schaffen, das sowohl kurzfristige als auch langfristige Schwankungen ausgleichen kann. Viele bestehende Technologien lösen diese Probleme nur unzureichend und sind oft nicht wirtschaftlich. Unsere Lösung vereint all diese Aspekte und wir wussten, dass sie notwendig ist, um die Energiewende voranzutreiben. Nachdem wir den funktionierenden Prototypen hatten, entschieden wir uns, das Projekt selbst zu kommerzialisieren und gründeten das Unternehmen.

 

Was unterscheidet eure Technologie von herkömmlichen Biogasanlagen?

Unsere Technologie ersetzt oder ergänzt den Gasmotor in Biogasanlagen und verdoppelt die Stromausbeute. Zudem kann sie überschüssigen Strom in wertvolles Gas umwandeln, was herkömmliche Anlagen nicht können. Durch diese Multifunktionalität entstehen Synergieeffekte, die das Energiesystem effizienter und kostengünstiger machen – ein Vorteil für Betreiber und die gesamte Gesellschaft.

Foto der Reverion Gründer

Die Gründer von Reverion

Ihr habt Reverion zu fünft gegründet, das Gründerteam war also verhältnismäßig groß. War das ein Vorteil – und wie wirkt sich das auf die Entscheidungsfindung aus?

Die Gründung zu fünft war für uns ein echter Gewinn, auch wenn die Investoren anfangs skeptisch waren. Da wir bereits als Forschungsgruppe über Jahre zusammengearbeitet hatten, kannten wir unsere Stärken und Schwächen genau und konnten die Rollen im Unternehmen optimal aufteilen. Die Kommerzialisierung einer so komplexen Technologie erfordert tiefgehendes Fachwissen aus verschiedenen Bereichen – etwas, das mit nur zwei oder drei Personen kaum machbar gewesen wäre. Jeder von uns ist essenziell, und wenn einer fehlt, merken wir sofort, wie wichtig sein Beitrag ist.

 

In der frühen Gründungsphase geht es häufig darum, den richtigen Standort zu finden und die nötige Infrastruktur aufzubauen. Wie sahen die ersten Monate bei euch aus?

Dank unserer guten Vorbereitung und der Unterstützung aus dem Münchner Start-up-Ökosystem waren die ersten Monate nach der Gründung sehr erfolgreich. Schon vor der formalen Gründung begannen wir mit der Suche nach einem Standort und fanden relativ schnell ein Büro, in das wir zwei Monate später einziehen konnten. Zusätzlich nahmen wir am XPRENEURS Incubator (Externer Link) der UnternehmerTUM (Externer Link) teil, das uns nicht nur wertvolle Beratung, sondern auch Kontakte zu Investoren brachte. Dadurch konnten wir direkt nach der Gründung unsere Seed-Finanzierung abschließen und hatten eine solide Basis für den Unternehmensstart.

 

Euer Start-up wurde als Spin-Off der Technischen Universität München (TUM) gegründet. Wie sieht die Unterstützung der TUM für Gründerteams aus? Welche Angebote habt ihr genutzt?

Als Spin-Off der TUM (Externer Link) hatten wir das Glück, von verschiedenen unterstützenden Programmen zu profitieren. Neben dem Inkubatorprogramm waren wir Teil der TUM Venture Labs (Externer Link) und auch das Accelerator-Programm TechFounders (Externer Link) half uns später dabei, unsere Verkaufserfolge zu steigern. Darüber hinaus erhielten wir Mentoring und Coaching von der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND (Externer Link) und Unterstützung im Rahmen von EXIST (Externer Link) , insbesondere bei Themen wie IP-Transfer und Mitarbeiterrekrutierung. Die vielseitige Unterstützung half uns, viele Herausforderungen zu meistern und schneller voranzukommen.

„Investoren überzeugt man am besten durch konkrete Ergebnisse: Ein erfolgreiches Unternehmen, das Produkte schafft, die wirklich gebraucht werden."

Die Finanzierung gehört für Start-ups zu den größten Hürden. 2024 habt ihr eine Series A-Finanzierungsrunde mit beeindruckenden 56 Millionen Euro abgeschlossen. Wie überzeugt man Investoren deiner Meinung nach am besten?

Investoren überzeugt man am besten durch konkrete Ergebnisse: Ein erfolgreiches Unternehmen, das Produkte schafft, die wirklich gebraucht werden. Entscheidend sind funktionierende Produkte und zufriedene Kunden, die das Produkt empfehlen. Es ist wichtig zu zeigen, dass man bereit ist, alles zu geben und gegen Widerstände zu kämpfen. Zweifel am Commitment, wie etwa die gleichzeitige Arbeit an anderen Projekten, können für Investoren ebenfalls ein Hindernis darstellen.

 

Hattet ihr einen Alternativplan für den Fall, dass nicht genügend Mittel zusammenkommen?

Wir hatten vor der Gründung bereits eine Existenzförderung, die uns eine grundlegende Finanzierung sicherte. Diese Unterstützung half uns, die Phase von der Uni zur Firmengründung zu überbrücken. Die Frage nach zusätzlichen Mitteln stellte sich bei uns gar nicht, da wir relativ schnell weitere Finanzierungen erhielten. Für andere Gründerinnen und Gründer kann es jedoch schwierig sein, vor der Entscheidung zu stehen, auf Einkommen zu verzichten. Ich empfehle allen, Fördermittel und Investorengelder zu nutzen, um eine solide Basisfinanzierung zu sichern.

 

Schon vor der Finanzierungsrunde hattet ihr ein Auftragsvolumen von 90 Millionen Euro. Wie generiert ihr Kunden und wie seid ihr im Marketing vorgegangen?

Vor der Seed-Finanzierungsrunde hatten wir bereits einen klaren Product-Market-Fit. Unser kleines Sales-Team wurde auf einer Messe sofort von der Nachfrage überrannt. Das lag an unserer frühen Vernetzung mit dem Fachverband Biogas (Externer Link) und Mundpropaganda. Wir hatten schon vor der Gründung Kontakte zu Biogasanlagenbetreibern. Die Branche ist gut vernetzt, und so kamen wir schnell zum Fachverband. Der Market-Fit war von Anfang an zu 100 % da, was natürlich nicht immer der Fall ist, aber sobald er da ist, merkt man es sofort, weil die Kunden in Schwärmen kommen.

Foto von Gründer Stephan Herrmann

Stephan Herrmann

Wie wichtig ist euch die Balance zwischen Nachhaltigkeit und wirtschaftlichem Erfolg?

Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg gehören für uns zusammen. Ein Produkt, das unwirtschaftlich ist, kann keinen echten Impact haben, auch wenn es nachhaltig ist. Um große Skalierung und echte Nachhaltigkeit zu erreichen, muss ein Produkt wirtschaftlich überlegen sein. Das Ziel ist ein „Green Discount“ – grün und günstiger als Alternativen, was nur mit innovativer Technologie möglich ist.

 

Siehst du bei jungen Technologie- und Energieunternehmen heute mehr Verantwortungsbewusstsein?

Im Vergleich zu vor fünf oder zehn Jahren definitiv ja. Das Umdenken begann vor etwa drei Jahren, ausgelöst durch die Energiekrise. Vorher war die Energiebranche noch stark von der alten Welt geprägt. Mit der Energiekrise und dem Preisverfall von Photovoltaik und Windenergie gab es einen Wendepunkt. Heute ist der Rollout von erneuerbaren Energien nicht mehr aufzuhalten, auch ohne Förderungen, weil sie einfach günstiger sind.

 

Wo seht ihr Reverion in fünf Jahren?

In fünf Jahren sehen wir uns als ein bedeutendes Puzzlestück auf dem Weg zu unserer großen Vision: der vollständigen Energieversorgung mit 100 % erneuerbaren Energien. Unser Ziel ist es, das ausgleichende Element zwischen Wind und Photovoltaik zu schaffen, um die Energieversorgung auch für die Industrie nachhaltig zu gestalten. In fünf Jahren wollen wir profitabel sein und unsere Produktion auf mehrere hundert, vielleicht sogar tausend Anlagen pro Jahr ausweiten. Wir hoffen, damit einen großen Impact zu erzielen und auf unserem Wachstumsweg wichtige Meilensteine zu erreichen.

Teamfoto Reverion

Zum Abschluss: Wenn du jungen Gründerinnen und Gründern einen Ratschlag mitgeben könntest – welcher wäre es?

Mein Ratschlag ist, eine Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden. Als Gründer gibt es täglich neue Herausforderungen, aber die größte ist, auf sich selbst zu achten und nicht den Blick für das Wesentliche zu verlieren. Natürlich kann man in intensiven Phasen alles geben und seine Grenzen ausreizen, aber das sollte nicht zur Norm werden. Es ist entscheidend, auf sich selbst zu hören, sich Zeit für Familie und Freunde zu nehmen und sich selbst nicht zu vernachlässigen. Nur so bleibt man langfristig gesund, erfolgreich und kann auch die geschäftlichen Herausforderungen souverän meistern.

Super, vielen Dank für die spannenden Einblicke!

Hier (Externer Link) geht es zur Website von Reverion.